Mo
09
Jun
2008
Rock-Aliens landeten im Freizi
Vier Bands überzeugten beim “Rock’n’Roll-Turbo-Boost”
VEGESACK. “Wir hatten bei anderen Konzertveranstaltungen noch mehr Publikum hier”, sagt Freizi-Leiterin Anke Heitzer. Doch auch der “Rock’n'Roll Turbo Boost” am vergangenen Wochenende sorgte für ein volles Haus, mehr jedenfalls, als bei den vorangegangenen Veranstaltungen. Lediglich der Bewegungsdrang des Auditoriums hielt sich im direkten Vergleich mit dem Konzertgeschehen wieder einmal stark in Grenzen. Dieser Umstand dürfte jedoch auch den im Saal vorherrschenden sommerlichen Saunatemperaturen zuzuschreiben sein.
Einzig die eröffnenden “Pyrosis” hatten mit dem Umstand zu kämpfen, dass ihr Name auch eingefleischten Lokalkonzertgängern noch nicht so recht geläufig ist. Die Zuhörer vermochte der mitreißende Stilmix aus Alternativrock, Grunge, Blues und Punk, welchen die Mannen um Ex-”Pink Mercury”-Saitenschwinger Tobias Göllner servierten, dennoch ebenso zu begeistern wie die musizierende Kollegenschaft, die im Anschluss kollektiv lobende Worte für die frischen Kollegen fand.
Die nachfolgenden “La Démancé” sind momentan in der Vegesacker Jugendrockkultur so etwas wie die Band der Stunde und verstehen es zudem, ihr Publikum durch zum Teil rasant vollzogene musikalische Entwicklungsschritte stets aufs Neue zu überraschen. Die Tatsache, dass die Chaostruppe das Tempo bei ihren Neukomposition etwas drosselt und sich mit wachsender Begeisterung im Midtempo bewegt, tut der Feiertauglichkeit ihres Songmaterials dabei augenscheinlich keinen Abbruch.
Den schweren Stand, den außerhalb des Bremer Nordens wirkende Bands häufig bei einem Gastspiel im Freizi haben, konterten “Black Night Crash” bereits im Vorfeld mit dem Gewinn des diesjährigen “Live in Bremen”-Wettbewerbs. Zwar konnte die Truppe nicht in voller Besetzung anreisen und musste mit nur einer Gitarre agieren; dennoch erntete ihr gnadenlos auf der aktuellen Retro-Welle schwimmender, angepunkter Rock’n’Roll auch im Freizi begeisterten Applaus und Zugabenforderungen, welche das mit schrulligen Hippieperücken agierende Trio selbstredend bereitwillig erfüllte.
Zum Abschluss gab es ein Wiedersehen mit den vormaligen Gewinnern des im Freizi ausgetragenen “Local Heroes”-Bandwettbewerbs, auch wenn die “Bitch Crackers” als Herkunftsort nach wie vor “another Dimension” angeben. Der Legende zufolge versank die komplette Rhythmussektion der Truppe während des letzten interstellaren Bandausflugs kollektiv in schwarzen Löchern um Alpha Centauri. Auch wenn dieser Verbleib früherer Bandmitglieder durchaus angezweifelt werden darf, präsentierte die Combo mit Schlagzeuger Lasse Samstrøm und Bassist Carlos Cojones zwei neue Mitstreiter, die sich nahtlos in das bewährte Klangbild der außerirdischen Monster-Rock’n’Roller einpassten. Mit diesen präsentierte man auch gleich eine handvoll neuer Songs, so dass mit den Rock-Aliens nach längerer Abstinenz in Zukunft wohl wieder verstärkt zu rechen sein wird.
Quelle: 09.06.2008 von Christian Pfeiff (Die Norddeutsche)